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Struktur der Berufsbildung in Deutschland

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) trägt die strategische Gesamtverantwortung für die Berufsbildung. Es ist für das Berufsbildungsgesetz (BBiG) verantwortlich, das zuletzt im Jahr 2005 aktualisiert wurde, veröffentlicht alljährlich den Berufsbildungsbericht, finanziert das unter seiner Rechtsaufsicht stehende Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und ist für die Programme zur Verbesserung der Berufsbildung zuständig. In seinem Zuständigkeitsbereich liegt auch der betriebliche Teil der dualen Berufsausbildung. Die einzelnen Ausbildungsordnungen werden vom zuständigen Fachministerium (in der Regel das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie) im Einvernehmen mit dem BMBF erlassen.

Die Bundesländer tragen die alleinige Verantwortung für die Berufsschulen des dualen Systems ebenso wie die beruflichen Vollzeitschulen. Sie stellen die Lehrpläne auf, bilden die Lehrkräfte aus und bezahlen sie und führen die Rechtsaufsicht über die Berufskammern. Angesichts dieser Kulturhoheit der Länder bestehen zwischen den einzelnen Bundesländern erhebliche Unterschiede im Hinblick auf Organisation und Inhalt des schulischen Teils der Ausbildung im dualen System.

Die Sozialpartner sind stark in die Gestaltung und das Angebot der Berufsbildung eingebunden. Sie werden in die Ausarbeitung und Aktualisierung der  Ausbildungsordnungen einbezogen (die formal in der Regel vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie erlassen werden) und legen die Vergütung der Auszubildenden im Rahmen von Tarifverhandlungen fest. Die Berufskammern sind für die Beratung der Ausbildungsbetriebe und Überwachung der betrieblichen Ausbildung zuständig. Ihnen obliegt auch die Registrierung der Ausbildungsverträge, sie beurteilen den Eignungsgrad der Ausbildungsbetriebe und überwachen ihre Ausbildungsaktivitäten, evaluieren die Kompetenzen der Ausbilder, beraten Ausbildungsbetriebe ebenso wie Auszubildende, organisieren die Abschlussprüfungen und führen sie durch.

Die Verantwortung für die Finanzierung der berufsbildenden Schulen liegt bei den Bundesländern (vor allem was die Lehrergehälter betrifft) und den Kommunen (Ausrüstung, Infrastruktur), während die Betriebe die Kosten für die betriebliche Ausbildung übernehmen. In einigen Branchen haben die Betriebe allgemeine Fonds eingerichtet, in die alle Betriebe Beiträge einzahlen und über den die Kosten gedeckt werden, die den Ausbildungsbetrieben entstehen, wohingegen in anderen Sektoren jeder Betrieb für seine eigenen Kosten aufkommt. Alles in allem entfällt der größte Anteil der Kosten für das duale System der Berufsausbildung auf die Ausbildungsbetriebe. Im Jahr 2007 gaben diese 14,7 Mrd. Euro für die berufliche Bildung aus (Nettokosten, einschließlich Ausbildungsvergütung, abzüglich Produktionsgewinn), während die Bundesländer 2,9 Mrd. Euro für berufsbildende Schulen aufwendeten. Der Bund und die Bundesagentur für Arbeit stellen zusätzliche Mittel zur Finanzierung der Berufsbildung zur Verfügung.

(Auszüge aus: Hoeckel, Kathrin/ Schwartz, Robert: Lernen für die Arbeitswelt. OECD-Studien zur Berufsbildung - Deutschland. 2010)