DEQA-VET: Qualitätssicherung in der beruflichen Fortbildung

Qualitätssicherung in der beruflichen Fortbildung

Alle IHKs beachten die gemeinsam erarbeiteten Anforderungen an die Lenkung ihrer Prozesse, um bundesweit einheitliche Standards zu gewährleisten. Der Gesamtprozess des Ablaufs der IHK-Fortbildungsprüfungen nach §§ 53 und 54 Berufsbildungsgesetz (BBiG) gliedert sich im Wesentlichen in folgende Teilprozesse:

  • Erarbeitung und Erlass von Prüfungsregelungen,
  • Durchführung der Prüfungsverfahren,
  • Erstellung von Aufgaben,
  • Evaluierung der Ergebnisse.

Gerade die Zielsetzung, die Prüfungsabsolventen für Führungspositionen auf mittlerer und höherer Ebene in den Unternehmen zu qualifizieren, ist zentraler Maßstab für die Gestaltung der Inhalte von Fortbildungsordnungen. Dies wird im Wesentlichen durch die Beschreibung des Profils bzw. des Funktionsbildes und des Prüfungsziels in jeder Fortbildungsordnung sowie durch die Outcome-Orientierung der Prüfungsinhalte erreicht.

Bei der Erarbeitung der Prüfungsregelungen sind die Wirtschafts- und Sozialpartner (die Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter sowie die IHK-Organisation, zumeist vertreten durch den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) von Beginn an eingebunden. Als ein Bestandteil der Qualitätssicherung werden gemeinsam vor einem neuen Ordnungsverfahren der Bedarf und somit auch die Arbeitsmarktfähigkeit eines neuen Fortbildungsprofils geprüft. Handlungsgrundlage ist hierbei die „Vereinbarung zur beruflichen Fortbildung gemäß BBiG und HWO“ der Wirtschafts- und Sozialpartner aus dem Jahr 1996. Diese Vereinbarung wurde 2006 von den Wirtschafts- und Sozialpartnern komplett überarbeitet und wird fortgeführt. Der inhaltliche und qualitative Anspruch an die Prüfungsregelung und an den zugehörigen Rahmenplan (Lehrgangsempfehlung) ist durch eine weitere Vereinbarung der Wirtschafts- und Sozialpartner aus dem Jahr 2000 festgelegt: der „Systematik von Qualifikationsebenen in der geregelten Aufstiegsbildung nach BBiG“. Beide Vereinbarungen bestimmen wesentlich die Qualitätssicherungsprozesse. Neben den Anforderungen aus dem BBiG leiten sich daraus die im Folgenden beschriebenen Qualitätsmanagementvereinbarungen ab:

Die Prüfungsverfahren werden mehrstufig durchgeführt, die zum Teil parallel stattfinden. Sie sind ebenfalls alle im Rahmen der Qualitätsmanagementverfahren beschrieben und festgelegt. Auf der einen Seite wird das Verwaltungsverfahren der IHKs beschrieben, welches u. a. die Prüfungstermine, -orte und -zeiten, die Einladungen, die Ergebnismitteilung und die Erstellung der Zeugnisse umfasst. Auf der anderen Seite existieren Vorgaben durch das Berufsbildungsgesetz sowie der „Musterprüfungsordnung für die Durchführung von Fortbildungsprüfungen (MPO-F)“. Diese Empfehlung ist vom Hauptausschuss des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB) verabschiedet, dem stimmberechtigte Vertreter des BMBF, des BMWi, der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer sowie der Bundesländer angehören. Diese Musterprüfungsordnung regelt übergreifend und einheitlich alle grundsätzlichen Aspekte zur Durchführung der Prüfungen sowie zum Widerspruchsverfahren. Die eigentliche Prüfungsaufgabenerstellung stellt die Schnittmenge zum nächsten, qualitätsgesicherten Teilprozess dar.

Eine zentrale Aufgabenerstellung für bundesweit einheitliche Prüfungen ist neben der Prüfungsregelung und einer Lehrgangsempfehlung, dem sog. Rahmenplan, das dritte Instrument für die Qualität der IHK-Prüfungen. Die Aufgabenerstellung und -auswahl erfolgt bundeseinheitlich unter der Koordination der DIHK-Gesellschaft für berufliche Bildung – Organisation zur Förderung der IHK-Weiterbildung mbH in Bonn (DIHK-Bildungs-GmbH) und Beteiligung der Sozialpartner in drei Stufen. Aufgrund der Vorgaben der Prüfungsregelung werden zuerst zu den jeweiligen Handlungs- bzw. Qualifikationsbereichen eigene Aufgabenerstellungs-Arbeitskreise gebildet und mit Sachverständigen aus der Wirtschaft besetzt. Hierin werden die Prüfungsaufgaben erstellt und dann in der zweiten Stufe, dem Landesfachausschuss, als Beschlussgremium vorgelegt. Landesfachausschüsse sind grundsätzlich mit anderen Experten besetzt, so dass Informationen nicht weitergegeben werden können bzw. Aufgabenersteller auf die Auswahl keinen Einfluss nehmen können. Die ausgewählten Aufgaben werden den IHKs zum Prüfungstermin mit gemeinsam abgestimmten Vorgaben zu Datum, Zeit und Reihenfolge zur Verfügung gestellt. Als Hilfestellung für die Korrektur der Prüfungen werden als dritte Stufe – zeitlich nach der Prüfung – Musterlösungen an die IHKs versendet, um eine möglichst bundeseinheitliche Korrektur und Bewertung zu gewährleisten.

Die Evaluation der Prüfungen stellt den letzten Teilprozess dar. Jeder Prüfung liegen Evaluationsbögen für die Teilnehmer und die Prüfer bei, damit Anregungen und Hinweise in spätere Prüfungen eingehen können. Die Hinweise werden den Aufgabenerstellern zur Verfügung gestellt, damit Änderungen eingeleitet werden können. Zusätzlich zu dieser Erhebung werden auch die Prüfungsergebnisse bundesweit erhoben, so dass eine Niveaueinschätzung bzw. Rückkopplung zwischen Prüfungsanforderungen und Leistungen der Prüfungsteilnehmer erfolgen kann.

 


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