Nationale Berufsbildungspolitik

Die berufliche Bildung ist in Deutschland traditionell der Bildungsbereich, für den sich die weit überwiegende Mehrheit aller Jugendlichen entscheidet. Das Berufsbildungssystem basiert auf einigen grundlegenden gesellschaftlichen Entscheidungen:

  • Es gibt einen breiten Konsens, allen Schulabgängern eine berufliche Ausbildung zu bieten;
  • um dieses Ziel zu erreichen, wurde mit den Unternehmern das strategische Konzept vereinbart, ein kooperatives Ausbildungssystem („duales System“) zu implementieren;
  • in diesem Kooperationsmodell der beruflichen Bildung akzeptiert der öffentliche Sektor (Regierung, Schulen) den privaten Sektor als gleichberechtigten Partner; rechtlich getragen wird dieses kooperative System durch ein grundlegendes Berufsbildungsgesetz, das die Rolle der Akteure regelt.

Die berufliche Erstausbildung erfolgt in staatlich anerkannten Ausbildungsberufen mit bundesweit einheitlichen Standards und vermittelt die erforderliche berufliche Handlungskompetenz für den Übergang in den Arbeitsmarkt. Die berufliche Weiterbildung spielt als Teil des lebenslangen Lernens eine wachsende Rolle, um die berufliche Handlungsfähigkeit des Einzelnen fortlaufend zu verbessern. Der Staat hat dabei nur eine geringe Ordnungs- und Gestaltungsfunktion.

Die Weiterentwicklung der berufsbildenden Schulen zielt vor allem auf eine Qualitätsverbesserung der Ausbildung, wobei sich zunehmend die Erkenntnis durchsetzt, dass hierzu eine stärkere Eigenverantwortlichkeit der Schulen notwendig ist. Ein Bestandteil dieser Reformbemühungen ist die Erhöhung der Finanzautonomie der berufsbildenden Schulen durch Budgetierung, d. h. die Globalzuweisung der Haushaltsmittel (laufende Sachmittel, zunehmend auch die Personalmittel sowie die Mittel für Investitionen) an die einzelnen Schulen. Die Intensität, mit der dieser Weg in Deutschland beschritten wird, ist in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich und hängt neben den Schwerpunktsetzungen der Schulverwaltungen und der Berufsbildungspolitik in den Ländern nicht zuletzt von regionalen Besonderheiten und den Anforderungen an berufsbildende Schulen ab.

Im Bereich der betrieblichen Ausbildung hat vor dem Hintergrund der angespannten Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt in den letzten Jahren zunehmend eine Lastenverschiebung von der betrieblichen auf die öffentliche Finanzierung stattgefunden. Die weitere Entwicklung wird hier entscheidend davon abhängen, inwieweit es in Zukunft gelingt, die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsstellenmarkt zu schließen.

Vorschläge für eine grundlegende Neuordnung der Bildungsfinanzierung wurden von einer vom BMBF eingesetzten Expertenkommission „Finanzierung lebenslangen Lernens“ erarbeitet, die im Juli 2004 ihren Schlussbericht vorlegte (Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2004). Empfohlen wird z. B. ein einheitliches Bildungsförderungsgesetz, in dem alle Leistungen der Förderung erwachsener Lerner (mit Ausnahme derer nach dem SGB III) zusammengefasst werden. Ein weiterer Vorschlag der Expertenkommission sieht vor, die staatliche Förderung im Vermögensbildungsgesetz um die Möglichkeit des Bildungssparens zu erweitern. Für bisher bildungsferne Personengruppen mit geringem Einkommen sollen damit besondere Anreize gesetzt werden, einen Teil ihres Einkommens in lebenslanges Lernen zu investieren.

(Quelle:  U. Hippach-Schneider, M. Krause, Chr.Woll, Berufsbildung in Deutschland -Kurzbeschreibung-, hrsg. Cedefop (Europäisches Zentrum für die Förderung der Berufsbildung), Luxemburg 2007)

  • Film: Berufsbildung in Deutschland
    [WMV - 143,32 MB]

     (URL: https://www.deqa-vet.de/_media/Video/a14_berufsbildung-in-deutschland_deutsch_high.wmv)

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