DEQA-VET: DEQA-VET-Interview mit Gerhard Aichinger, Ausbildungsleiter bei der Firma Linhardt GmbH & Co. KG

DEQA-VET-Interview mit Gerhard Aichinger, Ausbildungsleiter bei der Firma Linhardt GmbH & Co. KG

M. Kohlmann (DBA-Cert), L. Preiß und G. Aichinger (Linhardt & Co. KG) am 30. Juni 2010

DEQA-VET: Können Sie kurz erläutern, wofür die Initiative „Linhardt ABC – auf dem Weg zum Ausbildungs-Champion“ steht?
Aichinger: Das „Linhardt-ABC“ ist im Zusammenhang mit unserer Ausbildungszertifizierung Name, Motto und Weg zugleich. Der Begriff sollte von Anfang an deutlich machen, dass Ausbildung etwas mit Lernen zu tun hat – deshalb das „ABC“. Darüber hinaus ging es uns sowohl um die Beschreibung des Weges, den die Auszubildenden in ihrer Lehrzeit „Vom Anfänger zum Profi“ gehen sowie um die Darstellung des Zieles, nämlich ein Ausbildungs-Champion (als Unternehmen) bzw. ein Azubis-Champion (als Azubi) zu werden. Das „Linhardt-ABC“ soll ein prägender Begriff innerhalb des Unternehmens werden, wenn es um einzelne Ausbildungsthemen oder um Ausbildung insgesamt geht. Wir möchten uns von anderen ausbildungswilligen Unternehmen in der Region abheben, wofür auch das extra geschaffene Ausbildungs-Logo steht. Außerdem haben wir vor, das „Linhardt-ABC“ auch als Ausbildungs-Marketinginstrument zu nutzen, um uns dadurch evtl. Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

DEQA-VET: Wie kam es zu dieser Initiative, welche Ziele wollte Ihre Firma damit erreichen? 
Aichinger: Im Zuge der kontinuierlichen Unternehmens-Weiterentwicklung und -Zukunftssicherung wollten wir uns durch diese Initiative frühzeitig auf die sich verändernden Rahmenbedingungen in der Ausbildung, die gestiegenen Anforderungen im Betrieb sowie den Entwicklungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereiten. Hier ist das Stichwort demographischer Wandel zu nennen. Ein weiteres Ziel bestand für uns darin, die Azubis auch in ihrer Persönlichkeit entsprechend dem Linhardt-Profil weiterzuentwickeln. Dazu gehört, die Integration der Auszubildenden in den Betrieb zu verbessern und die Teamarbeit zu stärken. Dadurch – so unser Gedanke – ließe sich auch die Motivation der jungen Menschen fördern, sich als wichtigen Teil des Unternehmens zu erfahren. Wir wollten die Auszubildenden generell durch eine intensivere Unterstützung besser auf das Berufsleben nach Abschluss der Ausbildung vorbereiten.

DEQA-VET: Haben Sie konkrete Standards oder Arbeitshilfen entwickelt?
Aichinger: Ja, das ist ein ganz wichtiger Aspekt: Wir haben Ausbildungsstandards definiert und die Ausbildungsstrukturen vereinheitlicht, indem wir etwa Abläufe und Inhalte der Ausbildung modernisiert und stringenter geplant haben. So gibt es nun an allen Linhardt-Standorten sowie in allen Ausbildungsabteilungen einheitliche Rahmenbedingungen. Außerdem können sowohl Ausbilder als auch Auszubildende auf einen Ausbildungs-Leitfadens zurückgreifen. Darüber finden Sie auf unserer Website nähere Informationen.

DEQA-VET: Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt? Was ist besser geworden? Gab es auch Schwierigkeiten? 
Aichinger: Ganz klar verbessert haben sich die die Kommunikation zwischen Ausbildern und Auszubildenden einerseits sowie der Austausch zwischen unseren verschiedenen Standorten. Die organisatorischen Abläufe sind optimiert, wodurch die Ausbilder erheblich entlastet werden. Für unsere Firma, die regelmäßig in zehn bis zwölf verschiedenen Ausbildungsberufen ausbildet und deren Azubis acht bis zehn Prozent der Beschäftigten ausmachen – was wirklich eine hohe Ausbildungsquote ist –, sind einheitliche Rahmenbedingungen sehr wichtig. Es ist ein großer Vorzug, wenn über alle Ausbildungsabteilungen und -Standorte hinweg dieselben Standards und Strukturen gelten. In Sachen Ausbildung wollen wir auch weiterhin Vorbild und Aushängeschild in der Region sein.
Letztlich schwierig war und ist es mitunter, alle betroffenen Mitarbeiter von der Notwendigkeit unserer Initiative zu überzeugen und natürlich ist die praktische Umsetzung ein fortlaufender fordernder Prozess.

DEQA-VET: Als Ausbildungsleiter stehen Sie in engem Kontakt mit jungen Menschen, die am Anfang ihres beruflichen Weges stehen. Wie haben diese auf die Einführung des Qualitätssicherungssystems reagiert? 
Aichinger: Nach anfänglicher Skepsis waren und sind eigentlich alle von der Sache her überzeugt und finden unsere Initiative gut. Positiv werden auch die verschiedenen einheitlichen Regeln und Möglichkeiten in der Berufsausbildung aufgenommen, die für alle Azubis in allen Bereichen und eben an allen Standorten gelten. So ist durch die Schaffung einheitlicher Bewertungskriterien ein Azubiaustausch innerhalb der Firmengruppe möglich genauso wie die Teilnahme an firmeninternen Weiterbildungsprogrammen. Die Eigenständigkeit und Verantwortung der Azubis innerhalb der verschiedensten Aufgaben und Projekte haben sich insgesamt erhöht. Das gelang nicht zuletzt dadurch, dass unsere Auszubildenden am firmen- und bereichsübergreifenden Maßnahmen und Projekten verantwortlich mitarbeiten können.

DEQA-VET: Wie haben Sie als Ausbildungsleiter die Veränderungen erlebt. Was veränderte sich aus Sicht der Ausbilder?
Aichinger: Innerhalb des Unternehmens wurde und wird über die Ausbildung mehr diskutiert als früher, der Stellenwert der eigenen Ausbildung hat sich erhöht und wird in einem „positiveren Licht“ gesehen. Es wurde eine neue und für alle Beteiligten auch erkennbare Organisationsstruktur geschaffen, Verantwortlichkeiten neu definiert. Verändert haben sich auch die Aufgaben des Ausbilders, weg vom typischen Unterweiser und Ausbilder hin zum Lernbegleiter und Organisator der Ausbildung.
Mitarbeiter wurden zu offiziellen Ausbildungsbeauftragten benannt und befördert und fühlen sich dadurch mehr geschätzt. Die Ausbildungsverantwortung liegt nicht mehr nur beim offiziellen Ausbilder, sondern ist auf viele Schultern – der Mitarbeiter und der Ausbildungsbeauftragten –verteilt.

DEQA-VET: Wenn Sie eine Empfehlung für andere Betriebe aussprechen wollen: Welche Voraussetzungen sind nötig, um den Weg zu gehen, den sie eingeschlagen haben?
Aichinger: Das wichtigste ist, so glaube ich, dass alle an einem Strang ziehen, angefangen von der Geschäftsleitung, den Abteilungsleitern, den Ausbildern bis hin zu allen Mitarbeitern, Azubis und dem Betriebsrat. Es muss ein gemeinsamer Weg eingeschlagen und auch das Ergebnis von allen mitgetragen werden. Ein Alleingang führt dagegen unweigerlich zum Misserfolg und zum Scheitern.
Das Projekt lebt von der Motivation, dem Selbstbewusstsein und dem Zusammengehörigkeitsgefühl, aber auch von der Veränderungsbereitschaft und Offenheit aller Beteiligten.

DEQA-VET: Und zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Gibt es etwas, was in Bezug auf die Ausbildungsqualität zu verbessern wäre? 
Aichinger: Grundsätzlich ist mit der Zertifizierung der Prozess nicht abgeschlossen. Es soll uns vielmehr ein ständiger Ansporn sein, die Qualität der Ausbildung fortlaufend zu verbessern, indem wir diese an die sich laufend verändernden Gegebenheiten innerhalb des Unternehmens stetig anpassen sowie an die sich wandelnden Berufsinhalte und Rahmenbedingungen.

DEQA-VET:
Vielen Dank!

(Januar 2011, Interview: Helena Sabbagh)

 
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