DEQA-VET: Interview mit Werner Gmeiner - Geschäftsführer der Handwerkskammer Freiburg

Interview mit Werner Gmeiner - Geschäftsführer der Handwerkskammer Freiburg

Werner Gmeiner ist Geschäftsführer für den Bereich Berufliche Bildung bei der HwK Freiburg


DEQA-VET: Wie sind Sie zum Handwerk gekommen?

Gmeiner: Sehr früh! Als Jugendlicher war es mein Traum, mit Autos und Mobilität zu tun zu haben. Aus diesem Grund absolvierte ich eine Lehre als Kfz-Mechaniker. Nach den Gesellenjahren schloss ich eine kaufmännische Ausbildung an und anschließend legte ich die Meisterprüfung im Kfz-Handwerk ab.
Außerdem habe ich auf dem zweiten Bildungsweg ein Studium zum Betriebswirt durchlaufen und erfolgreich abgeschlossen. Während dieser Zeit, also nach meiner Grundausbildung, war ich in leitender Stellung in einem Autohaus tätig.
Insbesondere junge Menschen auszubilden, war immer mein Ziel. Da ich eine kaufmännische wie auch eine technische Ausbildung habe, konnte ich dies in beiden Bereichen umsetzen.
Nach 20-jähriger Tätigkeit im Kfz-Gewerbe wechselte ich zur IHK, als stellvertretender Leiter des Geschäftsbereichs Berufliche Bildung.
Als ich erfuhr, dass in meiner Heimatstadt die Handwerkskammer Freiburg ein Bildungszentrum aufbauen möchte und einen Leiter hierfür gesucht wurde, habe ich mich auf diese Stelle beworben, die mich dann auch 18 Jahre lang ausfüllte.

Seit nunmehr zweieinhalb Jahren bin ich Geschäftsführer für den Bereich Berufliche Bildung bei der Handwerkskammer Freiburg. Sie sehen, das Thema Bildung lässt mich nicht los.

DEQA-VET: „Das Handwerk bildet mit seinen vorwiegend kleinen und mittleren Betrieben das Kernstück der deutschen Wirtschaft“ – so heißt es auf Ihrer Website. Was bedeutet das für die Aus- und Weiterbildung?

Gmeiner: Das heißt ganz konkret, dass sich jede Mühe und Anstrengung lohnt, die bestmögliche Qualifizierung der Beschäftigten anzustreben. Nur mit motivierten, perfekt ausgebildeten Mitarbeitern kann das Handwerk seine Pole-Position im Mittelstand behaupten. Selbstverständlich kommt das der Gesellschaft insgesamt zu Gute. Das gibt uns andererseits die Legitimation, mehr finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern für die Bildung im Handwerk einzufordern. In die gleiche Kerbe schlagen wir übrigens auch, wenn wir die Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung verlangen. Gott sei Dank hat sich hier in den vergangenen Jahren einiges getan.

DEQA-VET: Können Sie ein konkretes Beispiel dafür nennen, was aus Ihrer Sicht gut in der handwerklichen Aus- und Weiterbildung funktioniert?

Gmeiner: Vom Lehrling zum Unternehmer. Wir begleiten unsere Kunden von Anfang an auf Ihrer Karriereleiter. Die offene Struktur im Handwerk erlaubt es heute schon, auch ohne Abitur über den Gesellen, die Meisterausbildung, den Studiengang zum Betriebswirt und den darauf aufbauenden Studiengang zum Bachelor of Arts (B.A) in Business Administration einen international anerkannten Hochschulabschluss zu erlangen. Wenn Sie nach dem ersten Hochschulabschluss zum Bachelor of Arts in Business Administration noch weitere wissenschaftliche Studien betreiben wollen, können Sie ein Master-Studium anschließen. Mit diesem Abschluss ist sogar eine Promotion möglich.

DEQA-VET: Wo liegen die Herausforderungen in diesem Bereich?

Gmeiner: Der Kampf um immer weniger Lehrlinge und die händeringende Suche nach Fachkräften – das ist das Szenario, mit dem wir es zunehmend zu tun haben werden. Hier müssen und wollen wir die handwerklichen Betriebe massiv unterstützen, damit sie diese Klippen erfolgreich umschiffen können. So sind wir im Bereich der Nachwuchssicherung mit den Projekten „Berufsorientierung“  (JET JobErkundungsTage) sowie „Kompetenz und Vielfalt“ (KoVi) aktiv, um ihnen eine Hilfestellung zu geben.  Zur Fachkräftequalifizierung hat sich unser „Bildungsbaukasten“ bestens bewährt. Dieser erlaubt die individuelle und präzise Qualifizierung von Fachkräften bzw. Nachqualifizierung von un- oder angelernten Mitarbeitern.  Aus rund 300 Lehrgangsmodulen können für die meisten Qualifikationsanforderungen im handwerklichen Bereich die richtigen Bildungsmodule identifiziert werden.
Viele Verantwortliche in Unternehmen erkennen inzwischen die demografische Entwicklung als eine der zentralen zukünftigen Herausforderungen. Denn nicht wenige Betriebe spüren bereits heute deren Auswirkungen. Ausgehend von tiefgreifenden Veränderungen im Altersaufbau der Bevölkerung ergeben sich auch für das Handwerk weitreichende Effekte, wie z.B.:
• längere Lebensarbeitszeiten
• zunehmender Fachkräftemangel
• tendenzielle Überalterung der Belegschaften
• altersbedingte Abschwächung des Produktivitätsfortschritts durch Verluste von Wettbewerbs-, Innovations- und Beschäftigungsfähigkeit
• massiver Know-how-Verlust durch die Verrentung/den Weggang älterer Mitarbeiter
• höhere Fluktuation der jüngeren Arbeitnehmer.


DEQA-VET: Was ist Ihr persönlicher Eindruck: Wie wird das Thema  Qualitätssicherung in den kleinen und mittleren Handwerkbetrieben wahrgenommen?

Gmeiner: Für viele Handwerksbetriebe ist Qualitätsmanagement längst gelebte Wirklichkeit. Als Zulieferer für Industriekunden geht ohne ein etabliertes und funktionierendes QM-System gar nichts. Die Zertifizierung ist somit eine Grundvoraussetzung für erfolgreiches wirtschaftliches Handeln. Aber auch im Verhältnis Handwerker – Endkunde hat sich klar gezeigt: Qualität in Produkt und Dienstleistung ist für den Handwerksunternehmer letztendlich ein absolutes Muss. Unternehmer, die glauben, an der Qualität sparen zu müssen, büßen dies mit enormem Imageschaden und zahlen letztendlich drauf. Diese Botschaft ist aber im Handwerk klar angekommen und in den allermeisten Betrieben zu 100 Prozent verwirklicht.


DEQA-VET: Was macht die Handwerkskammer Freiburg, um die Qualität der Aus- und Weiterbildung zu sichern und zu verbessern?

Gmeiner: Nun, man kann den Betrieben nicht predigen und selbst die Messe meiden: Selbstverständlich hat das Bildungshaus der Handwerkskammer, die Gewerbe Akademie, seit vielen Jahren ein QM-System mit der aktuellen Zertifizierung nach DIN-ISO. Für alle relevanten Unternehmensprozesse gibt es eine Beschreibung, welche die Abläufe kurz und prägnant darstellt und regelt. Darüber hinaus haben wir ein Riesenpaket an Bildungsmaßnahmen nach AZWV bzw. AZAV zertifiziert. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass Bewerber mit einem Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit diese Maßnahmen belegen können. Und damit schließt sich der Kreis der Fachkräftesicherung, da auch viele Mitarbeiter aus Handwerksbetrieben aufgrund von Agenturleistungen und Förderprogrammen diese Lehrgänge buchen können.

Die Handwerkskammer Freiburg bietet in ihren Bildungshäusern, den Gewerbe Akademien flächendeckend ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm für Unternehmer, Führungskräfte, Handwerksmeister, Gesellen und alle übrigen Mitarbeiter/innen in gewerblich-technischen, wie kaufmännischen Berufsfeldern an. Hinzu kommt, dass wir unsere Kunden auf die möglichen Förderinstrumente, wie Fachkursförderung, Bildungsgutscheine der Agentur für Arbeit oder Meister-BAföG, hinweisen und ihnen nach Möglichkeit beratend zur Seite stehen. 

DEQA-VET: Wo sehen Sie das Handwerk in zehn Jahren?

Gmeiner: Das ist eine sehr schwierige Frage. Einerseits ist für das Handwerk insgesamt nur schwerlich eine Aussage zu treffen, da in den verschiedenen Branchen die Entwicklung ganz unterschiedlich verlaufen kann. So haben Betriebe, welche sich auf innovativen Feldern wie regenerative Energien, Elektromobilität, Feinwerktechnik oder  Maschinenbau bewegen, sicherlich gute bis sehr gute Zukunftsaussichten. Ebenso in den Bau- und Baunebenberufen ist dies in der Altbausanierung und Wärmedämmung gegeben. Andererseits werden die Innovationszyklen immer kürzer und gesellschaftliche Veränderungen können auch quasi „über Nacht“ passieren, wofür die Abkehr von der Atomenergie ein gutes Beispiel ist. Aussagen über die Zukunft in zehn Jahren sind deshalb sicherlich sehr ambitioniert, man kann eine komplette Bauchlandung hinlegen. Dennoch bin ich überzeugt, dass die Mehrheit der handwerklichen Unternehmen die Zukunft meistern wird. Darin wollen wir sie mit guten Dienstleistungen und Bildungsangeboten unterstützen.

DEQA-VET: Ich danke Ihnen für das Gespräch!

(Januar 2013, Interview: Helena Sabbagh)


 


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Kontakt

Werner Gmeiner

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  • Faxnummer: +49(0)049761 1525015
  • E-Mail#NAME?: werner.gmeiner@hwk-freiburg.de
  • Homepage: http://www.hwk-freiburg.de/