DEQA-VET: Duale Berufsbildung

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Duale Berufsbildung

Das duale System der Berufsausbildung bietet derzeit Ausbildungen in 349 anerkannten Ausbildungsberufen an, deren Dauer zwischen 2 und 3½ Jahren liegt. Anders als in den beruflichen Vollzeitschulen, die einen Realschulabschluss bzw. den Mittleren Schulabschluss voraussetzen, müssen die Schülerinnen und Schüler hier nur die Pflichtschulzeit absolviert haben. In der Praxis verfügen aber 43% der Ausbildungsanfänger über einen Realschulabschluss, 33% über einen Hauptschulabschluss und 21% über die allgemeine Hochschulreife, während nur 3,5% keinen Schulabschluss haben.

Auszubildende verbringen gewöhnlich 3-4 Tage in der Woche in einem Ausbildungsbetrieb, in dem sie auf der Basis eines Ausbildungsplans nach den Vorgaben der für den jeweiligen Beruf erstellten Ausbildungsordnung praktisch ausgebildet werden. Die Ausbildungsordnungen regeln u.a. die Dauer der Ausbildung, beschreiben das Berufsbild und legen die Prüfungsanforderungen fest. Der Auszubildende erhält während der Ausbildung eine Vergütung, die jedes Jahr steigt und durchschnitt-lich ein Drittel des Anfangsgehalts einer qualifizierten Arbeitskraft beträgt. Kleine Unternehmen, die keine umfassende Ausbildung anbieten können, haben die Möglichkeit, sich mit anderen Betrieben zu Ausbildungsverbünden zusammenzuschließen. Die praktische Ausbildung wird durch theoretischen Unterricht in Berufsschulen ergänzt, wo die Schülerinnen und Schüler 12 Stunden pro Woche unterrichtet werden (in einigen Fällen wird der Teilzeitunterricht zu Abschnitten mit Vollzeitunterricht – d.h. Blockunterricht – zusammengefasst). In den Berufsschulen besteht der Unterricht zu einem Drittel aus dem berufsübergreifenden Lernbereich und zu zwei Dritteln aus dem berufsbezogenen Lernbereich gemäß einem Rahmenlehrplan, der für die einzelnen Berufe von der Kultusministerkonferenz (KMK) für den berufsbezogenen Lernbereich und von den einzelnen Ländern für den berufsübergreifenden Lernbereich aufgestellt wird.

An den beruflichen Schulen werden zwei Kategorien von Lehrkräften unterschieden, zum einen die Lehrer für den theoretischen Berufsschulunterricht (Berufsschullehrer) und zum anderen die Lehrer für die Fachpraxis (Fachlehrer). Berufsschullehrer benötigen einen Hochschul- oder äquivalenten Abschluss und eine fachdidaktische Ausbildung. Fachlehrer benötigen kein Hochschulstudium, haben in der Regel aber einen einschlägigen beruflichen Hintergrund als Meister oder Facharbeiter (Industrie) bzw. Geselle (Handwerk). Neben Kursen in Fachdidaktik müssen die Lehrkräfte auch erziehungswissenschaftliche Seminare absolvieren. Die Lehrerfortbildung ist Pflicht und findet in Form von Seminaren in staatlichen Instituten der Lehrerfortbildung statt.

Die an die betrieblichen Ausbilder gestellten Anforderungen sind im Berufsbildungsgesetz (Abschnitte 28-30) und in der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) dargelegt. Demnach müssen die Ausbilder eine Abschlussprüfung in einer dem Ausbildungsberuf entsprechenden Fachrichtung bestanden haben und arbeitspädagogische Kenntnisse besitzen. Die obligatorische Ausbildereignungsprüfung wurde im August 2003 abgeschafft, um die Betriebe dazu zu bewegen, mehr Ausbildungsplätze anzubieten, am 1. August 2009 aber wieder eingeführt. Für Ausbilder besteht keine gesetzliche Weiterbildungsverpflichtung.

(Auszüge aus: Hoeckel, Kathrin/ Schwartz, Robert: Lernen für die Arbeitswelt. OECD-Studien zur Berufsbildung - Deutschland. 2010)