DEQA-VET-Fachtagung 18.09.-19.09.2013

Bildungsrepublik Deutschland – Werkstattgespräche Qualitätssicherung im Haus des Lebenslangen Lernens und der Qualitätssicherung

Im Rahmen der 4. Jahresfachveranstaltung 2012 entwickelte DEQA-VET – vor dem Hintergrund der EQAVET-Kriterien und der deutschen Gegebenheiten und Realitäten – das Haus des Lebenslangen Lernens und der Qualitätssicherung.

 

 

Dieses Bild steht für die Auffassung und das Engagement der Referenzstelle, die Diskurse zum Thema Qualitätssicherung in der beruflichen Bildung bildungssegmentübergreifend zu führen.

Nicht nur die duale Ausbildung (in Betrieb und Berufsschule), sondern ebenso vollzeitschulische Ausbildungsgänge, Fachoberschulen und berufliche Gymnasien und die berufliche Fort- und Weiterbildung sind die Strukturelemente der beruflichen Bildung. Wie in der Allgemein- und Hochschulbildung wurden und werden in den beruflichen Teilsegmenten ausführlich Diskussionen über die Qualitätssicherung geführt, die hinreichend durch Literatur dargestellt sind. Hierbei war der Blickwinkel zumeist auf die Frage gerichtet, wie das jeweilige Bildungssegment die Qualität seiner Lehr- und Lernleistungen sichern kann. Dies führte nicht selten zu einer Verengung der Diskussionen auf die Qualität der Organisation einer Berufsschule und deren Ausstattung und in Folge auf die Ergebnisse von Prüfungen. Solche Herangehensweisen greifen zu kurz, wenn es um die Förderung einer „Kultur der Qualitätsverbesserung“ geht, wie es die EQAVET-Recommendation von 2009 fordert.

Vor dem Hintergrund der Prüfungs- und Kulturhoheit wurden entsprechende Diskussionen zudem oft nur regional geführt. Ausnahmen bilden - in der Regel - der betriebliche Teil der beruflichen Ausbildung und Teile der Weiterbildung; für beide Bereiche wurden im Laufe des vergangenen Jahrzehnts deutschlandweite Standards festgelegt. Allerdings gibt es auch hier oft regionale Modifikationsgremien, so dass nicht in jedem Fall von bundesweit einheitlichen Rahmenbedingungen ausgegangen werden kann. Andererseits ist in der dualen Berufsausbildung - im schulischen Bereich - das Lernfeldkonzept in den bundesweiten Rahmenlehrplänen der Kultusministerkonferenz (KMK) fest verankert und wird in den sich daraus ergebenden Bildungsprozessen umgesetzt.

Der Gesetzgeber hat 2005 für den betrieblichen Teil der beruflichen Aus- und Weiterbildung das reformierte Berufsbildungsgesetz (BBiG) verabschiedet. Die Neufassung des BBiG weist zur Qualitätssicherung - neben der beruflichen Handlungsfähigkeit - unter anderem den Berufsbildungsausschüssen bei den zuständigen Stellen die Aufgabe zu, die Qualität der Berufsbildung stetig weiterzuentwickeln. Zudem sind es eben diese zuständigen Stellen, die die Ausbildungseignung und damit die Ausbildungsqualität von Betrieben überwachen. Hier kommt insbesondere der Abstimmung und der Kooperation der schulischen und betrieblichen Seiten besondere Relevanz zu, um eine hohe Qualität der dualen Ausbildung nachhaltig sicher zu stellen.

Für die Maßnahmen der Berufsbildung nach SGB III ist seit April 2012 die „Verordnung über die Voraussetzungen und das Verfahren zur Akkreditierung von fachkundigen Stellen und zur Zulassung von Trägern und Maßnahmen der Arbeitsförderung nach dem dritten Buch Sozialgesetzbuch (Akkreditierungs-und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung - AZAV) bundesweit wirksam. Die AZAV-Standards und AZAV-Kriterien sehen unter anderem die Sicherung der Qualität auf der Grundlage des Demingkreises vor, womit den Auflagen des EQAVET-Netzwerkes im Kern entsprochen wird. Benannte fachkundige Stellen entscheiden auf der Grundlage der AZAV über die Zulassung einer Maßnahme oder eines Trägers.

Auf Länderebene hat die KMK seit den neunziger Jahren verschiedene für die Berufsschulen, Berufsfachschulen, Fach- und Fachoberschulen verbindliche Rahmenvereinbarungen beschlossen sowie seit dem Konstanzer Beschluss vom 24.10.1997 in der Entwicklung von Maßnahmen zur Sicherung der Qualität schulischer Bildung eine wichtige Aufgabe gesehen. Insofern ist es folgerichtig, dass die Qualitätssicherung im Bereich der beruflichen Bildung, einschließlich der Erwachsenenbildung, in der Gesetzgebung der Länder Niederschlag gefunden hat. In der Folge beachten die beruflichen Schulen und Anbieter der Erwachsenenbildung ein eingeführtes Qualitätsmanagement-System.

Seit Bestehen des BBiG gibt das BMBF den Berufsbildungsbericht heraus, der 2007 aufgeteilt wurde in den Berufsbildungsbericht des BMBF und den Datenreport zum Berufsbildungsbericht, dessen Herausgeber das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ist. Einige deutsche Länder veröffentlichen ebenfalls vergleichbare Berichte in unterschiedlichen Intervallen. Darüber hinaus erstellt ein mit Experten besetztes Redaktionsgremium seit 2004 den Bildungsbericht (zweijährig). Mit dieser von der KMK und dem BMBF geförderten Publikation wird eine alle Bereiche des Bildungswesens umfassende aktuelle und indikatorengestützte Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens vorgenommen.

Dieser Überblick zeigt, dass die in Deutschland eingesetzten Instrumente zur Sicherung der Qualität in der beruflichen Bildung vielzählig und vielgestaltig sind. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass es für Deutschland eine Herausforderung darstellt, bis 2015 einen nationalen Ansatz der Qualitätssicherung zu entwickeln – so wie es von den EQAVET-Staaten erwünscht wird. Richtungsweisend ist dabei, die Mannigfaltigkeit des deutschen Systems in Bezug auf das Thema Qualitätssicherung in der beruflichen Bildung zu benennen und gleichzeitig verbindende Gemeinsamkeiten darzustellen.

Konzeption der Tagung

Nach der Eröffnung der Tagung durch den Vortrag des Bildungsforschers und Erziehungswissenschaftlers Prof. Dr. Rudolf Tippelt zum Thema "Commitment durch Kommunikation – Grundlage für die Bildungsdemokratie" wird es Ziel der Werkstattgespräche sein, die Qualitätssicherung beruflicher Bildung über die Berufsbildung (im engeren Sinne betrieblicher Teil der Aus- und Weiterbildung) hinaus als ein Zusammenwirken aller an der beruflichen Bildung beteiligten Akteure zu verstehen. Auf dieser Basis sollen – vor dem Hintergrund des EQAVET-Prozesses und des Lebenslangen Lernens – bei allen vermeintlich trennenden Sachverhalten über Länder- und Bildungssegmentgrenzen hinweg Verbindendes und Gemeinsamkeiten formuliert werden. Ein Ergebnis einer solchen Bottom-up-Diskussion kann eine entsprechende Checkliste oder die Formulierung eines Leitbildes bzw. von Elementen eines Leitbildes sein. Solche Elemente hätten das Potenzial, in Betrieben, Berufsschulen und weiteren Einrichtungen der beruflichen Bildung bei aller Vielfalt von Leitbildern, die bereits vor Ort entwickelt worden sind, eine gemeinsame Orientierung zu ermöglichen und zur Entwicklung einer Qualitätssicherungskultur beizutragen.

Zielgruppen

Adressaten dieser Veranstaltung sind Qualitätssicherungsbeauftragte und -verantwortliche in der beruflichen Bildung der Bundesministerien (z.B. BMBF, BMWI und BMAS), der Länder (KMK, Landesministerien der Ressorts Schule, Kultur, Arbeit, Soziales und Wirtschaft sowie Landesinstitute für Schulqualität), von Kammerorganisationen, von öffentlichen Schulen (Berufs- und Berufsfachschulen, Volkshochschulen) und von privaten Bildungsanbietern, von fachkundigen Stellen nach AZAV, Lehrerinnen und Lehrer von berufsbildenden und allgemeinbildenden Schulen, Ausbilderinnen und Ausbilder in den Betrieben und Unternehmungen, Vertreterinnen und Vertreter der Eltern- und Schülerschaft, bzw. der Auszubildenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (insbesondere der Berufs- und Wirtschaftspädagogik sowie aus den Erziehungswissenschaften und der Bildungsforschung), Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Agentur für Arbeit oder der Jobcenter sowie Expertinnen und Experten des DQR-Prozesses.

Während der Fachtagung haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, sich im Rahmen einer Poster-Session über aktuelle Ergebnisse und Erfahrungen der Modellinitiative Qualitätsentwicklung und -sicherung in der betrieblichen Berufsausbildung (gefördert vom BMBF) aus erster Hand zu informieren.

Organisatorisches

  • Die Tagung findet von Mittwoch, 18.09. ab ca. 09.30 Uhr (Registrierung) bis Donnerstag, 19.09. ca. 14 Uhr im Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn statt. Unterkunftsmöglichkeiten in der Nähe des Tagungsortes finden Sie im von der Stadtinformation Bonn erstellten Hotelverzeichnis.
  • Die Teilnehmerzahl ist auf 150 Personen begrenzt. Die Berücksichtigung Ihrer Anmeldung erfolgt nach Eingang. Bitte melden Sie sich online an.
  • Mit Ihrer Anmeldung erklären Sie sich einverstanden, dass Bild- und Tonaufnahmen während der Veranstaltung gemacht und veröffentlicht werden.
  • Organisierte Bootsfahrt auf dem Rhein von Bonn, Alter Zoll (Abfahrt: 18:30) zum Biergarten auf der Insel Grafenwerth/Bad Honnef (Ankunft gegen 20:00 Uhr). Auf dem Schiff und auf der Insel haben Sie Gelegenheit zum informellen Austausch auf Rheinniveau. Die Rückfahrt erfolgt mit der Straßenbahn Linie 66 (ca. 35 min bis Bonn Hbf). Da kein Tagungsbeitrag erhoben wird, bitten wir um Verständnis, dass Getränke und Speisen an Bord sowie auf Grafenwerth zu Lasten der Teilnehmer gehen.

Hier können Sie sich zur Veranstaltung anmelden.

Dokumente

 
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