Der Kopenhagen-Prozess

In den Blickpunkt kam das Thema „Qualität in der beruflichen Bildung“ bereits mit dem Lissabon-Prozess (2000), systematisch umgesetzt wird es allerdings erst seit dem Kopenhagen-Prozess (2002).1  Der Kopenhagen-Prozess legte politische Prioritäten für die Erreichung der Lissabon-Ziele im Bereich der Berufsbildung fest und zwar in Zusammenhang mit dem Arbeitsprogramm „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“.2

Am 30. November 2002 genehmigten die Bildungsminister/innen von 31 europäischen Ländern und die Europäische Kommission die Erklärung von Kopenhagen3 über eine verstärkte europäische Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung. Folgende Prioritäten und weitere Überlegungen zu den damit verbundenen Instrumenten wurden in der Erklärung von Kopenhagen festgehalten:

  • Stärkung der europäischen Dimension in der Berufsbildung
  • Erhöhung von Transparenz, Information und Beratung (europäischer Lebenslauf, Diploma Supplements, Europass, einheitlicher europäischer Rahmen für den Fremdsprachenerwerb)
  • Anerkennung von Kompetenzen und Qualifikationen, inklusive non-formales und informelles Lernen (Anerkennungssysteme auf Basis gemeinsamer Prinzipien, Kreditpunktesystem für die Berufsbildung, gemeinsame Grundsätze für die Validierung non-formalen und informellen Lernens)
  • Kooperation im Bereich der Qualitätssicherung (Kooperation durch den Austausch von Modellen und Methoden, Entwicklung von allgemeinen Kriterien und Prinzipien für Qualität in der Berufsbildung)

Zur Umsetzung des Kopenhagen-Prozesses wurden neben einem steuernden Koordinierungsgremium drei Arbeitsgruppen zu den Themen „Transparenz“, „Qualitätssicherung“ und „Leistungspunktesystem“ eingerichtet. Für den Bereich Qualitätssicherung wurde die Technical Working Group on Quality in VET von der Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission Ende des Jahres 2002 eingerichtet, um die Erarbeitung und Umsetzung der europäischen Gemeinschaftsziele im Berufsbildungsbereich voranzutreiben.

Anfang 2003 begannen die Arbeitsgruppen zu den Themen „Transparenz“, „Qualitätssicherung“ und „Leistungspunktesystem“ mit der Erfüllung ihrer Mandate. Der Auftrag der "Technical Working Group on Quality Assurance in VET" umfasste

  • die Erstellung einer Ist-Zustands-Analyse,
  • die Erarbeitung von Kriterien für Qualitätsentwicklung,
  • die Ermittlung und Beschreibung von Qualitätsindikatoren für die Berufsbildung auf Systemebene (good practice-Basis),
  • die Konzeption eines übergreifenden Referenzrahmens für die Entwicklung bzw. Reform von Qualitätssystemen in der Berufsbildung (Common Quality Assurance Framework)
  • sowie die Beschreibung von Methoden und Instrumenten zur Unterstützung von Selbstevaluation und Qualitätssicherung.

In den Jahren 2003 und 2004 entwickeln die drei Arbeitsgruppen folgende Produkte:

  • Einen einheitlichen Transparenzrahmen für Qualifikationen und Kompetenzen (EUROPASS)4
  • Gemeinsame europäische Prinzipien zur Identifizierung und Validierung non-formaler und informeller Kompetenzen5
  • Einen gemeinsamen europäischen Bezugsrahmen zur Qualitätssicherung6 sowie
  • Prinzipien eines Grundmodells für ein europäisches Leistungspunktesystem für die berufliche Bildung (ECVET)7

Vom 13. bis 16. Dezember 2004 fand in Maastricht die europäische Konferenz „Stärkung der europäischen Zusammenarbeit im Bereich der beruflichen Bildung“ statt. Sie ist als erste Folgekonferenz zum Kopenhagen-Prozess zu bezeichnen, auf welcher das sogenannte Kommuniqué von Maastricht8 beschlossen wurde. Im Maastricht-Kommuniqué wird eine Bestandsaufnahme der im Zusammenhang mit der Lissabonner und Kopenhagener Strategie erzielten Fortschritte vorgenommen. Es werden neue Prioritäten im Rahmen des Kopenhagen-Prozesses für eine verstärkte europäische Zusammenarbeit in der Berufsbildung festgelegt. Die notwendigen Reformen sollen sich vor allem auf die folgenden Aspekte konzentrieren:

  • Verbesserung des Images und der Attraktivität der Berufsbildung für Arbeitgeber und Individuen, um die Teilnahme an beruflicher Aus- und Weiterbildung zu erhöhen;
  • Erreichung hoher Qualität und Innovation in den Berufsbildungssystemen, zum Nutzen aller Lernenden um die europäische Berufsbildung weltweit wettbewerbsfähig zu machen;
  • Verknüpfung der Berufsbildung mit der Arbeitsmarktnachfrage der wissensbasierten Wirtschaft nach hoch qualifizierten Arbeitskräften und, vor allem aufgrund des demografischen Wandels, Aktualisierung und Weiterentwicklung der Kompetenzen älterer Beschäftigter;
  • Berücksichtigung der Bedürfnisse gering qualifizierter Personen und benachteiligter Gruppen, um den sozialen Zusammenhalt zu sichern und die Beteiligung im Beschäftigungsprozess zu erhöhen.

Das Kommuniqué von Maastricht enthält im Kern die Übereinkunft, einen europäischen Qualifikationsrahmen (EQF) sowie ein europäisches Kreditpunktesystem für die berufliche Bildung (ECVET) zu entwickeln. Besonders im Hinblick auf den Europäischen Qualifikationsrahmen gibt es Verbindungen des Kopenhagen-Prozesses zum Bologna-Prozess, als dessen Kernziel die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraums bis zum Jahr 2010 zu bezeichnen ist.9

Im Zuge des Follow-up-Prozesses nach der europäischen Konferenz in Maastricht wurde das European Network on Quality in Vocational Education and Training VET (ENQA-VET) von der Europäischen Kommission gegründet. Die Hauptaufgaben des Netzwerks bestanden zunächst in der Weiterentwicklung des "Common Quality Assurance Frameworks" (CQAF) in Fortsetzung der Arbeit der "Technical Working Group on Quality in VET" sowie der Förderung der Kooperation unter den relevanten Stakeholdern auf nationaler und europäischer Ebene.

Im Dezember 2006 fand die zweite Folgekonferenz zum Kopenhagen-Prozess in Helsinki statt. Im Kommuniqué von Helsinki10 wird der Berufsbildung neuerlich die zentrale Aufgabe zugewiesen, einen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit und zum sozialen Zusammenhalt (Lissabon-Strategie) zu leisten. Es wird zudem darauf hingewiesen, dass zukünftig ein stärker fokussierter Ansatz notwendig sei, der auf vier Schwerpunktbereiche ausgerichtet sein sollte:

  • Ausrichtung der Politik auf die Verbesserung der Attraktivität und der Qualität der beruflichen Bildung. In diesem Zusammenhang sollte ein stärkeres Gewicht auf die „Good Governance“ der Berufsbildungssysteme, -einrichtungen, und/oder –anbieter gelegt werden.
  • Weitere Entwicklung, Erprobung und Nutzung gemeinsamer europäischer Instrumente für die berufliche Bildung (EQF, ECVET, Europass) mit dem Ziel, diese bis 2012 zur Verfügung zu haben. In diesem Zusammenhang wird eine stärke Zusammenarbeit bei der Verbesserung der Qualität durch die Nutzung von ENQA-VET propagiert um eine gemeinsame Auffassung von Qualitätssicherung zu entwickeln.
  • Verbesserung des Erfassungsbereichs, der Vergleichbarkeit und Zuverlässigkeit der Berufsbildungsstatistik bis 2008.
  • Aktive Einbindung aller Akteure in die Arbeiten zur Umsetzung des Kopenhagen-Prozesses.

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1  Weitere Informationen siehe unter: http://ec.europa.eu/education/policies/2010/et_2010_de.html  

2  Europäischer Rat (2002): Detailliertes Arbeitsprogramm zur Umsetzung der Ziele der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung in Europa  

3  Declaration of the European Ministers of Vocational Education and Training, and the European Commission, convened in Copenhagen on 29 and 30 November 2002, on enhanced European cooperation in vocational education and training “The Copenhagen Declaration”  

4  Entscheidung Nr. 2241/2004/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Dezember 2004 über ein einheitliches gemeinschaftliches Rahmenkonzept zur Förderung der Transparenz bei Qualifikationen und Kompetenzen (Europass)

5  Europäischer Rat (2004): Entwurf von Schlussfolgerungen des Rates und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedsstaaten zu gemeinsamen europäischen Grundsätzen für die Ermittlung und Validierung von nicht formalen und informellen Lernprozessen  

6  European Commission (2005): Fundamentals of a `Common Quality Assurance Framework`(CQAF) for VET in Europe.  

7  Europäische Kommission (2006): Arbeitsdokument der Kommissionsdienststellen. Ein europäisches Leistungspunktesystem für die Berufsbildung (ECVET). Ein Europäisches System für die Übertragung, Akkumulierung und Anerkennung von Lernleistungen im Bereich der Berufsbildung.  

8  Kommuniquè von Maastricht zu den zukünftigen Prioritäten der verstärkten Europäischen Zusammenarbeit in der Berufsbildung 2004.

9  Siehe: http://ec.europa.eu/education/policies/educ/bologna/bologna_en.html 

10  Kommuniqué von Helsinki über die verstärkte europäische Zusammenarbeit in der Berufsbildung. 5. Dezember 2006.


Quelle: ARQA-VET
 
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